Auf zahlreichen Karnevals- und Prunksitzungen (z. B. dem traditionsreichen „Nüsser Ovend“) halten Büttenredner, Künstler und Musikgruppen sich und anderen den Narrenspiegel vors Gesicht. Einmal im Jahr hat jeder die Chance, sich über die Welt und vor allem auch über sich selbst lustig zu machen. Da bleibt bekanntlich kein Auge trocken und so manche Wahrheit – im Alltag oft kaschiert – kommt ans Tageslicht.

Der eigentliche Straßenkarneval beginnt am „Altweiber“-Donnerstag: Mit Scheren bewaffnete Närrinnen stürmen um 11.11 Uhr das Rathaus und lassen keinen Krawatte tragenden Mann ungeschoren davonkommen. Sichtlich stolz präsentieren die sogenannten Möhne ihre Trophäen und schunkeln und bützen anschließend fröhlich bis in die tiefe Nacht. Die Herren der Schöpfung sind bei diesem Treiben ausdrücklich erwünscht.

Der „Kappessonntagszug“ ist der Höhepunkt des Neusser Straßenkarnevals. Die Innenstadt verwandelt sich in ein buntes Potpourri aus Masken, Kostümen, Luftschlangen und Konfetti. Tausende von Närrinnen und Narren säumen den Zugweg und jubeln den aktiven  Karnevalisten zu. Fröhlich und ausgelassen feiern sie miteinander, singen freche Lieder und machen sich einen Spaß daraus, möglichst viele Kamelle zu erhaschen. Wenn am Aschermittwoch (auch in Neuss) alles vorbei ist und der Hoppeditz beerdigt wird, beginnt bei den aktiven Karnevalisten längst der Countdown für die nächste Session. Und die beginnt – egal ob es stürmt oder schneit – wieder pünktlich am 11.11. – „Ons Nüss – Helau“.